Floortime® und Son-Rise®

AuJA gehört wie Floortime/DIR® ; Mifne® und das Son-Rise-Program® zu den Kind-zentrierten Förderprogrammen, welche hierzulande weitgehend unbekannt sind, aber nun im Fachbuch Klartext  kompakt: Frühkindlicher Autismus vorgestellt werden. Gemein ist all diesen Programmen, dass sie auf eine Wiederherstellung der sozialen Interaktion zwischen Eltern und autistischen Kindern abzielen.  Wir zitieren nun  im folgenden Passagen aus dem oben genannten Buch von Dr. med. Ganz und Bernhardt J. Schmidt um die zentralen Unterschiede aufzuzeigen.

Zitat aus  der  Zusammenfassung

„Auch wenn sich die Förderprogramme in einzelnen Punkten unterscheiden – der viel größere Unterschied liegt zwischen den bisher bekannten wie ABA, TAECCH, PECS … und den hier vorgestellten Kind-zentrierten. Der Wechsel des Verständnisses autistischen Verhaltens hin zu dem Ansatz, dass dieses aus der Sicht des Kindes sinnvoll und hilfreich ist, führt zu einem entsprechend sensiblen Umgang mit dem Kind.

Nicht das Abgewöhnen „unerwünschter“ Verhaltensweisen wird angestrebt, sondern Aufbau einer erfüllenden Interaktion, und dies vor allem auf einer positiven, emotionalen Basis. Denn diese wiederum wird zu Recht verstanden als Voraussetzung der Entwicklung auch kognitiver Fähigkeiten.

5. Gerade weil eine Beachtung und auch Weiterentwicklung der genannten Förderprogramme wünschenswert ist , sollen auch die Schwachstellen angesprochen werden. “

Zitat aus 5.1  Fehlende Sozialpsychologische Perspektive

“ Zwar liegt allen ein entwicklungsdynamischer Ansatz zugrunde, aber es fehlt (außer bei AuJA) die sozialpsychologische Perspektive von Autismus als “ Fehlen der der unbewussten Gruppeninteraktion.“

Zitat aus 5.2. Starke Kommerzialisierung

“ Bis auf das AuJA- Programm, das als gemeinnützige UG geführt wird und einen emanzipatorischen Anspruch vertritt, „leiden“ alle anderen Förderprogramme an einer Teils massiven Kommerzialisierung. Dies wirft automatisch die Frage auf, ob wirklich das Wohl des Kindes ( allein) im Vordergrund steht. Statt notwendige Informationen möglichst vielen Eltern von autistischen Kindern zur Verfügung zu stellen, liegt leider zu häufig der Schwerpunkt auf kommerziellen Erfolg.“

Weitere Unterschiede: z.B. AuJA und son-rise
Der Ansatz AuJA geht auf die Spiel- und Theaterpädagogen Christiane und Deniz Döhler zurück, die auf der Suche nach einem für ihren autistischen Sohn passenden Förderung
auf das Son-Rise Programm stießen, das viele ihnen bekannte Elemente aus der Theaterpädagogik enthält, insbesondere dem Improvistaionsthaeter. Weil sie der positive Ansatz begeisterte, besuchten die Döhlers Kurse in Amerika und implementierten bei sich zuhause ein hochfrequentes SRP. Auf mehrfache Anfragen anderer Eltern in Deutschland, denen weder genügend Zeit noch
Ressourcen für eine Weiterbildung in den USA zur Verfügung standen, gründete und entwickelte das Elternpaar AuJA. Damit wollten sie zum einen ihr Wissen weitervermitteln und zum anderen
weiteren Eltern ermöglichen, SRPe für ihre Kinder mit Autismus umzusetzen .
Konzeptionelle Unterscheide zwischen AuJA, Son-rise und Floortime:
AuJA legt einen Schwerpunkt auf die Elternarbeit. Neben dem Erlernen der Techniken und Methoden im Umgang mit dem Kind, sollen die Eltern und deren Paarbeziehung gestärkt werden, damit diese eine gute Ressource für ihr Kind darstellen. Innerhalb dieser ganzheitlichen Herangehensweise lernen sie Zeit und Ressourcen für die eigene Gesundheit, ihr Wohlbefinden und ihre Beziehung zu investieren .Des Weiteren wird das Programm individuell auf die einzelne Familie zugeschnitten. Anstatt große Seminarveranstaltungen zu besuchen, lernen die Familien im Rahmen eines
Starttrainings, welches bei den Familien zuhause stattfindet, wie sie das SRP ganz konkret auf ihre Situation umsetzen können. Darüber hinaus werden sie während eines Jahrestrainings
engmaschig begleitet. Durch eine wöchentliche Konsultation inklusive Videofeedback könnenaufkeimende Fragen zeitnah beantwortet und sich einschleichende, ineffektive Verhaltensweisen frühzeitig aufgedeckt und verringert werden . Einen weiteren Vorteil für Familien in Deutschland bietet AuJA durch seine großen Kenntnisse im Bereich der Schulsysteme, Gesetzeslagen und Finanzierungen in unserem Land.
Training der Inneren Einstellung ist sowohl bei son-rise und AuJA vorhanden, fehlt allerdings bei Floortime:
Eine akzeptierende, positive innere Einstellung bildet die Basis des SRPs und erleichtert dem Kind die Kontaktaufnahme(Döhler & Döhler, 2014). Die innere Einstellung ist eine bedingte Annahme, die aus dem Zusammenspiel mehrerer Grundannahmen bzw. Leitsätze entsteht. Diese Leitsätze lösen automatische Gedanken aus, die wiederum u.a. Stimmungen des Menschen beeinflussen (Beck, 1999).Dabei gibt es positive Glaubenssätze, die die Zielformulierung und verfolgung fördern (z.B. „Die Kapazität des Gehirns ist grenzenlos“) und entmutigende Glaubenssätze (z.B. „Autismus ist eine Krankheit “). Um zuveranschaulichen, wie die Grundannahmen beeinflusst werden können, führen Döhler &Döhler (2014)  mit den Eltern Sokratsische Dialoge.
Ressourcenaktivierung bei AuJA ist stärcker vorhanden als in son-rise und floortime
Im Start- und Jahrestraining üben die Eltern sich aktiv Ressourcen zu erschließen. Zum einen soll durch Spenden und Ämter finanzielle Unterstützung akquiriert werden. Zum anderen ist
es von zentraler Bedeutung, ein Spielraumteam aus Helfern zu rekrutieren, um ein intensives SRP zu ermöglichen und den Eltern Freiräume zu schaffen (Döhler & Döhler, 2014)
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