Studien?

Text aus dem neuen Buch „Autismus – wenn Händewaschen hilft“ von Bernhard J. Schmidt

„Der Verstoß gegen die Grundregeln der Wissenschaft verhinderte bislang die Entwicklung einer umfassenden Autismus- Theorie. Ohne theoretische Grundlage und Erkenntnisse über Wirkzusammenhänge standen bisher im Bereich der Therapie von Autisten alleine „evidenzbasierte“ Ansätze im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. „Evidenzbasiert“ bedeutet, dass man zwar nicht weiß warum etwas wirkt – aber versucht zu beweisen, dass es wirkt. Dieser Ansatz einer „evidenzbasierten Therapie“ hat aber zu dem dramatischen Problem geführt, dass man nicht mehr danach geschaut hat, was Autisten in ihrer Unterschiedlichkeit hilft, sondern nur noch, welche Hilfe sich am besten statistisch auswerten und ihre Effektivität messen lässt. Es wurden über Jahre nicht die Hilfsangebote an Autisten angepasst, sondern die Therapien an die statistischen Auswertungsmöglichkeiten – und in der Folge Autisten an die Therapieansätze statt umgekehrt. Auch wenn evidenzbasiertes Handeln bei einfachen Zusammenhängen wie dem zwischen Händewaschen und Sinken der Sterblichkeitsrate funktioniert, so ersetzt es aber niemals die Notwendigkeit, die Frage nach dem „Warum wirkt es?“ zu beantworten! Im Gegenteil. Bei komplexen Strukturen wie der menschlichen Interaktion und Kommunikation jedoch führt eine vermeintliche Evidenzbasierung leicht komplett in die Irre. Möchte man z.B. den Unterschied zwischen Stimmlosigkeit und Sprachlosigkeit messen und haut zu diesem Zweck allen Probanden mit der gleichen Intensität mit einem Hammer auf den Kopf um nur die Reaktion „schreit“ oder „schreit nicht“ zu messen, so kann man dies gut quantitativ statistisch überprüfen. Durch das Ausblenden der Erfassung von Alternativen und Nebenwirkungen kommt man so zu einer vermeintlich hohen Evidenz für die Wirksamkeit des Tests und sich daraus ableitender „Therapien“. Das geradezu triviale Grundproblem der Anwendung einer „Evidenzbasierung“ bei komplexen Strukturen ist, dass diese umso höher sein wird, je primitiver das zugrundeliegende theoretische Konstrukt! Trainings und Programme, die sich der komplexen Struktur von menschlicher Interaktion z.B. durch eine Modifikation abhängig von den Befindlichkeiten von Autisten und ihren Eltern (!) anpassen, können ihre Wirksamkeit aber kaum quantitativ statistisch erheben.“